Schlafserie #3 – Die Schlafphasen


Eine wichtige übergreifende Komponente, die es zu verstehen gibt, ist der Schlaf-Wach-Rhythmus, welchen man in verschiedene Schlafphasen unterteilt. Grob gesehen gibt es den Tiefschlaf, welcher durch langsame Delta-Gehirnwellen gekennzeichnet ist, den REM-Schlaf (rapid eye movement), bei welchem größten Teils Theta-Gehirnwellen präsent sind und den Wachzustand, in welchem je nach Situation Beta-, Alpha- und Thetawellen vorkommen bzw. seltener hochfrequente Gamma-Wellen. Weiterhin teilt man den NREM-Schlaf (n für not) in die Phasen 1 bis 4 ein, wobei Phasen 1 und 2 den Leichtschlaf bezeichnen und die Phasen 3 und 4 den sogenannten Tiefschlaf, welcher die langsamsten Gehirnwellen aufweist.


Wenn Sie sich also ins Bett legen, weisen die Gehirnwellen bevor Sie einschlafen einen Alpha-Rhythmus auf. Dieser ist hektisch und hochfrequent, während er eine kleine Amplitude aufweist. Langsam hört die Rückseite des Gehirns (unter anderem für Visuelles zuständig) auf die äußere Welt zu verarbeiten und die Frequenz der Wellen fängt an sich zu verlangsamen.


In dem Übergang zum Schlafzustand fangen dann die Augäpfel an sich langsam hin und her zu rollen, was ein Indiz für das letztliche Einschlafen ist. Die nächsten 20-30 Minuten verbringen Sie in den NREM Phasen 1 und 2, wobei in Phase 1 die Theta-Wellen präsent werden und in Phase 2 die Wellen noch langsamer werden, wobei die Amplitude langsam ansteigt. Außerdem beobachtet man in dieser Phase sehr synchrone elektrische „Ausstöße“, welche sich Schlafspindeln nennen.


Nach den NREM Phasen 1 und 2 folgen die Phasen 3 und 4, dessen Eigenschaften wir uns nun etwas genauer angucken:


Tiefschlafphase (NREM Phasen 3 und 4)

  • Das Gehirn weist sehr langsame und synchrone Wellen in diesen Schlafphasen auf (Delta-Wellen). Diese Wellen haben einen Zyklus von etwa ein bis zwei Stück pro Sekunde.

  • Eine tolle Analogie ist ein Radio, welches über die FM (hier Alpha-Wellen) oder die AM (hier langsame Delta-Wellen) Frequenz empfangen kann. In diesem Fall kommunizieren die FM-Wellen mit einer höheren Frequenz zwischen sich nahe liegenden Neuronen und AM über längere Distanzen, mit verringerter Qualität. Dadurch transferiert das Gehirn in der Tiefschlafphase verschiedenste Informationen zwischen weit entfernten Hirnregionen und unterbewusste, komplexe Gedankengänge können sich formen. Auch die Konsolidierung der Gedanken und von Gelerntem findet im Tiefschlaf statt.

  • Das Gehirn ist weniger reaktiv auf externe Reize, die Herzfrequenz und der Blutdruck fallen ab, das Atmen wird regelmäßiger und der gesamte Körper entspannt sich. Er ist äußerst entzündungshemmend und all dies dient der körperlichen und geistigen Genesung, wie auch dem Aufbau von Gewebe, Muskeln und dem Immunsystem. Letzteres ist besonders wichtig, da somit das Abwehr- und Regenerationssystem selbst eine Regeneration erfährt.

  • Tiefschlaf ist der Grundbaustein für den Prozess der Autophagie, bei welchem sich nicht optimal funktionierende Zellen und Proteine selbst abbauen und verwerten. (Auto = selbst, Phagie = essen)

  • Die Produktion des äußerst wichtigen Hormons „Somatotropin“ (HGH – Human Growth Hormone) findet hauptsächlich in den Tiefschlafphasen statt. Dieses ist für eine Vielzahl an wichtigen aufbauenden und regenerierenden Prozessen beteiligt, welche die Muskeln, Knochen und Knorpel, wie auch die Leber und Nieren betreffen.

  • Während des Tiefschlafs setzt sich die „Chemie“ zurück, welche für den Schlafdruck verantwortlich ist. An Tagen wo Sie super frisch, munter und bereit aufwachen, hatten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen höheren Anteil an Tiefschlaf.

Wie im nächsten Artikel über die Anordnung der Schlafphasen zu sehen ist (mittels eines Hypnogramms), wechseln sich die NREM Phasen 3 und 4 nach und nach mit den REM-Phasen ab, bis nur noch Leicht- und REM-Schlaf vorhanden ist.

Zwar sind viele Aspekte dieser Phase noch wenig erforscht, doch mit einigen Eigenschaften kann der REM-Schlaf beschrieben werden:


REM-Schlafphase

  • Zur Verwunderung mancher, ist die Gehirnaktivität in der REM-Schlafphase mit der des Wachzustands zu vergleichen. Durch die höhere Gehirnfrequenz als beim Tiefschlaf kommunizieren vor allem nahe liegende Neuronen miteinander, welche Ereignisse miteinander verbinden, irrelevante Informationen verwerfen und grundlegende Gedankengänge restrukturieren.

  • Das Phänomen des Träumens findet während des REM-Schlafes statt. Daher ist diese Phase auch unter der Bezeichnung Traumschlaf bekannt.

  • Damit das aktive Gehirn im REM-Schlaf die motorischen Reize an den Körper weitergeben kann, ist dieser in der Schlafphase paralysiert, sodass Sie vom Laufen, Rennen und Fliegen träumen können, ohne sich im Bett zu bewegen. Bei Personen mit einer Kondition namens „REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)“ ist diese Paralyse teilweise außer Kraft gesetzt, was zu extremen und unbewussten Verhaltensweisen führen kann.

  • Nachdem der Blutdruck und der Puls zur Hälfte der Schlafenszeit ihr Minimum erreicht haben sollten, steigen sie wieder an und auch die Atmung wird unregelmäßiger. Dies ist meist aber nur der Fall, wenn dem Körper ausreichende Schlafenszeit gelassen wird und Ereignisse wie schweres spätes Essen oder später Sport nicht in die Qualität des Schlafs eingreifen.


Zusammenfassung:


1. Die Schlafphasen teilen sich in den Wachzustand, REM-Schlaf und NREM-Schlaf. Letzterer bestehet aus den aus den Phasen 1 bis 4, wobei 1 und 2 als Leichtschlaf gelten und 3 und 4 als Tiefschlaf.


2. Alle Schlafphasen sind relevant und keine Phase ist einer anderen überlegen. Alle Phasen sind somit in der optimalen Schlafphysiologie vertreten. In der allgemeinen Population sehen wir dennoch eine Tendenz Richtung stärker unterdrücktem REM- und Tiefschlaf.


3. Der Tiefschlaf zeichnet sich durch langsame und synchrone Gehirnwellen aus, welche die Kommunikation von entfernten Neuronen und Regionen ermöglichen. Neben körperlicher und geistiger Genesung ist Tiefschlaf sehr regenerativ für unsere Abwehr- und Immunsysteme. Er ist Grundbaustein für die Autophagie, die Produktion von HGH und setzt das Adenosin zurück, welche für den Schlafdruck verantwortlich ist.


4. Der REM-Schlaf zeichnet sich durch Gehirnwellen aus, welche denen des Wachzustandes ähnlich sind. Das Phänomen des Träumens findet in dieser Phase statt. Er hilft der grundsätzlichen Gedankenrestrukturierung durch Kommunikation naheliegender Neuronen und Regionen. Der Körper befindet sich in einer vollständigen Paralyse, um motorischen Reizen aus dem Hirn nicht nachzugehen.

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© 2019 - 2020 Thorben Sauermann, Illustrationen von Huang Yixin

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