10 MYTHEN DER PHILANTHROPIE

Welchen Anteil am globalen philanthropischen Einfluss üben Individuen im Vergleich zu den bekannten und kapitalstarken Stiftungen dieser Welt aus?

Sind es 5%? Sind es 25 %? Oder gar die Hälfte?

Im Jahre 2018 machte der Anteil individueller Spenden insgesamt 70% aller globalen Großzügigkeiten aus. Dennoch herrscht die häufig vertretene Meinung, dass der eigene Anteil am weltweiten sozialen Einfluss verschwindend gering sei.

Großstiftungen, wie zum Beispiel die Bill & Melinda Gates Foundation, die Charles & Lynn Schustermann Family Foundation oder die Open Society Foundation kommen zusammen für 16% aller Spendenbeträge auf. Diese Verteilung zeigt deutlich, dass der größte Einfluss auf globale Probleme durch einzelne Individuen ausgeübt wird. Verbesserungen in Bereichen wie dem internationalen Gesundheitswesen, der Bildung, der humanen Dienstleistungen oder der Menschenrechte stützen sich somit auf einzelne Spenden.   

Obwohl das Spendenvolumen weltweit konstant steigt, ist jeder weitere in sinnvolle Projekte investierte Euro bzw. jede weitere gemeinnützige Handlung äußerst wertvoll und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Vor allem in Entwicklungsländern ist das Potential zur Hilfe groß. Mit dem richtigen Wissen und vertrauenswürdigen Organisationen an der Seite können Sie Wundervolles auf dieser Welt bewirken.

DIE 10 MYTHEN

Um ein generelles Verständnis über das Thema der sozialen Hilfe zu entwickeln und um möglicherweise einige Mythen aus dem Weg zu räumen, hat das Centre for Effective Altruism (Giving What We Can) folgende 10 Punkte hervorgebracht, welche wir hier für Sie auf Deutsch zusammengefasst haben:

 

| 1. „Wir spenden bereits eine enorme Menge an internationale Hilfe.“

Im Vergleich zu dem Reichtum der entwickelten Welt ist der Anteil an gemeinnützigen Ausgaben verschwindend gering. In Zahlen ausgedrückt werden nur 0,32% des durchschnittlichen Nationaleinkommens der Staaten im Ausschuss für Entwicklungshilfe in internationale Hilfe investiert. 

Eine Umfrage US-Amerikanischer Bürger aus 2016 unterstreicht die Impression, dass ausreichende Hilfe geleistet wird: Es wird geschätzt, dass etwa 31% des Haushalts für Hilfe ausgegeben werden, obwohl es sich in den USA um weniger als 1% handelt.

| 2. „Das gespendete Geld hat nur einen kleinen oder gar keinen Effekt.“

Viele der größten Innovationen und Meilensteine der Entwicklungsländer, sowie der entwickelten Welt stammen aus philanthropischen Bemühungen. Beispiele hierfür sind die Antibabypille, die Bekämpfung der Pocken, die Beseitigung des Medinawurms oder die weitreichende Gesundheit von Millionen von Menschen.  All dies wurde durch das Zusammenspiel vieler einzelner Personen und gemeinnützigen Organisationen erreicht.  

 

| 3. „Das Problem ist so groß, meine Hilfe macht keinen wirklichen Unterschied.“

Wie anfangs schon angeschnitten, ist einer der größten Trugschlüsse, dass eine einzelne Person keinen Einfluss auf die riesigen Probleme dieser Welt ausüben kann. 

Diesem Gedanken möchten wir mit einem kleinen Beispiel entgegentreten:

Würde eine Person 10% des durchschnittlichen deutschen Einkommens der Against Malaria Foundation zur Verfügung stellen, wäre es möglich jährlich für mindestens 2.000 neue Moskitonetze zu sorgen. Auf ein Arbeitsleben auf addiert sind das mehr als 100.000 Netze, welche in malariagefährdeten Gebieten tausende qualvolle Krankheits- und Sterbensfälle verhindern würden. Welch‘ ein außerordentlicher Einfluss auf das Leben vieler Menschen und vor allem auf deren Mitmenschen!

Merke: Alle großen Bewegungen und Errungenschaften entstehen aus vielen einzelnen individuellen Handlungen. Auch wenn es für Sie alleine nicht möglich sein wird Armut, Krankheiten, Tierleiden oder immense ökologische Missstände zu stoppen, ist dies für eine Gemeinschaft an Menschen möglich, wenn wir nur einen kleinen Teil unseres Einkommens oder unserer Zeit den effektivsten Projekten und Organisationen bereitstellen. 

4. „Gemeinnützigkeit beginnt zuhause: Wir sollten unsere eigenen Probleme         zuerst lösen.

Entwickelte Länder sind aufgrund starker Ungleichheiten und anderer schwieriger Umstände sicher nicht weniger unterstützenswert, doch unseres Erachtens ist die sich zu stellende Frage:

Was kann mit unserer Spende und unserer Arbeit auf der Welt erreicht werden?

Da in der entwickelten Welt schon sehr große Summen an Geld für das Gesundheitssystem, die Sanierung oder die Bildung ausgegeben werden, sehen wir den größten Einfluss pro Geld- oder Zeiteinheit in unterentwickelten Ländern. Probleme, welche es noch in entwickelten Ländern zu lösen gibt, sind jene, deren Lösung sehr kostenintensiv sind. Ein Beispiel hierfür ist der „UK National Health Service“, welcher ein Investment von 20.000€ für ein einziges weiteres gesundes Lebensjahr als kosteneffektiv ​einschätzt.

Im Kontrast hierzu plagen sich viele Entwicklungsländer aufgrund ihrer Armut immer noch mit Krankheiten herum, für dessen Kontrolle es in der entwickelten Welt vergleichsweise kleine Geldsummen bedürfte. Als Beispiel hierfür schätzt GiveWell die Kosten pro geretteten Menschenleben (und die gleichzeitige Prävention hunderter nicht-tödlicher Malariafälle) auf circa 2.000€ ein. Mit dieser Summe würde der „National Health Service“ das „gesunde“ Leben eines Patienten um etwa vier Monate verlängern.

 

 

5. „Hilfe ist nutzlos aufgrund der Korruption der Regierungen, welche Teile der Spenden empfangen.“

Niemand leugnet, dass Korruption in Entwicklungsländern dazu führt, dass Spendengelder oder Ressourcen verloren gehen. Die Lösung hierfür ist aber nicht weniger zu geben, sondern effektiver und schlauer!

Ein Weg diese Gefahr der Korruption zu verringern ist Programme zu unterstützen, welche nicht mit wertvollen Gütern handeln, welche von offiziellen Stellen und Institutionen umgeleitet werden könnten. Eine weitere Möglichkeit ist nur gemeinnützige Organisationen zu unterstützen, welche strikte Verteilungskontrollen vollziehen und robuste Einflusseinschätzungen durchführen. Dadurch kann sicher gegangen werden, dass die geleistete Arbeit tatsächlich einen starken Einfluss mit sich bringt und nicht fremde Taschen bereichert. Diese Kontrollen und Schätzungen müssen transparent offengelegt und regelmäßig aktualisiert werden.

 

6. „Hilfe schafft nur Abhängigkeit der Entwicklungsländer.“

Es ist richtig, dass einige Unterstützungsmaßnahmen, wie zum Beispiel das Spenden großer Mengen von Lebensmitteln den lokalen Anbau unprofitabel machen. Dennoch führen viele Interventionen nicht zu diesem Problem und können somit großartige Effekte erzielen. Es gilt stark darauf zu achten, das langfristige Eigenständigkeit der unterstützten Organisationen, Gemeinden und Länder ein festes Ziel darstellt.

Zwei Beispiele für dieses angestrebte langfristige Eigenständigkeit: 

  • Das Verteilen von Medikamenten zur Behandlung vernachlässigter Tropenkrankheiten verbessert nicht nur die gesundheitlichen Aspekte nachhaltig, sondern führt auch zu einem höheren Bildungsgrad und mehr Lebensqualität. Die „Schistosomiasis Control Initiative“ und das „Deworm the World Programm“ gestalten ihre Interventionen so, dass die nationalen Gesundheitinstitutionen diese langfristig übernehmen können, um somit die Abhängigkeit von Hilfe nach und nach zu verringern.

  • Das „Healthy Children Projekt“ hilft Regierungen Grundnahrungsmittel mit Mikronährstoffen zu versetzen. Sobald einmal das Wissen weitergegeben wurde und Standards & Prozesse eingerichtet sind, gibt es keine weiteren Gründe Unterstützung bereitstellen zu müssen.

7. „Hilfe verstärkt nur die Probleme, da es zur weiteren Überbevölkerung beiträgt.“

Warum haben entwickelte Länder eine derartig geringere Geburtenrate im Vergleich zu Entwicklungsländern? Dafür gibt es einige Gründe:

  • Aufgrund einer niedrigeren Kindersterberate bekommen Familien weniger Kinder, da ein Überleben sehr wahrscheinlich ist.

  • Zugang zu Bildung, Technologie und anderen Lebensqualitätsverbesserungen führen zu niedrigeren Geburtenraten, da weniger Kinder benötigt werden, um den Generationenverbund zu unterstützen.

  • Ein stärkeres und breiteres Angebot an Verhütung gibt Familien mehr Kontrolle über die Fruchtbarkeit.

Somit könnte eine Verringerung der Kindersterblichkeit, eine höhere Lebensqualität mit Bildungsmöglichkeiten und Zugang zu Verhütungsmitteln ein Weg sein, welcher eine „förderliche“ Art des demografischen Wandels, eine niedrigere Geburtenrate und die Bekämpfung extremer Armut mit sich zieht.

Zudem gibt es viele Möglichkeiten die Lebensqualität von Menschen in Armut stark zu verbessern ohne dass die Geburtenrate ansteigt. Beispielsweise können Probleme wie Blindheit oder vernachlässigte Tropenkrankheiten angegangen werden, welche signifikantes Leiden mit sich bringen, aber einen geringen Einfluss auf die Sterblichkeit ausüben.

Und sogar noch besser: Regelmäßige Behandlungen durch Entwurmungskampagnen zeigen (obgleich mit einigen Kontroversen) die Verringerung von Schulfernbleiben und ein steigendes Einkommen im Erwachsenenalter, welche wiederum zu einem Abfall der Fertilitätsrate führen. 

 

8. „Wir brauchen keine Organisationen; Wir brauchen politische Handlung“

Spenden ist natürlich nicht das Einzige was unternommen werden kann: Soziale und politische Handlung können ebenso wichtig sein. Tatsächlich gibt es viele Fälle, in welchen politische Handlungen weitaus effektiver wären als „einfache“ Spenden. Politische Rahmenbedingungen und Handlungen können sich vor allem auf die Korruptionsbekämpfung, Nachhaltigkeitsaspekte oder das Lösen logistischer Probleme äußerst positiv auswirken

In anderen Fällen wiederum sind Spenden der weitaus effektivste Weg eine Veränderung herbeizuführen. Unterstützt man zum Beispiel Interventionen, welche eine nachweisliche Erfolgsbilanz haben, Transparenz aufzeigen, weiteren Raum für neue Spenden bieten und von Regierungen weiterhin implementiert werden, kann man Leben retten und eine gewaltige Menge an Leid verhindern. 

Hinzuzufügen ist, dass es natürlich Organisationen gibt, welche an politischen Veränderungen und Systemrevisionen interessiert sind. Viele dieser Organisationen können zusätzliche Ressourcen gebrauchen, um ihr Handeln zu erweitern und zu verbessern.

In Summe gibt es keinen Grund zu denken, dass Spenden und politische Handlungen Alternativen zueinander darstellen: Sie beide können und müssen der Weg sein, welcher das Leben unserer Mitmenschen gravierend verbessert.

 

9. „Wirtschaftswachstum wird die Menschen schon aus der Armut ziehen. Wir müssen uns auf Wachstum fokussieren.“

Es ist wahr, dass Wirtschaftswachstum, vor allem gerade in China, substantiell dazu beigetragen hat die Armut in den letzten Jahren zu reduzieren. Dennoch würde es selbst unter den optimistischsten Annahmen Jahrzehnte dauern bis alle Menschen auf dieser Erde durch wirtschaftliche Entwicklung aus der extremen Armut gezogen werden – eine Sache, die wir nicht akzeptieren dürfen! Außerdem haben viele gemeinnützige Organisationen, welche direkten Einfluss auf die Lebensqualität ausüben einen Einfluss auf die ökonomischen Gegebenheiten.

 

10. „Wir sollten das Gesundheitssystem stärken, anstatt „vertikale“ Eingriffe zu unterstützen, welche möglicherweise nicht langfristiger Natur sind.“

In Ländern mit sehr schwachen Gesundheitssystemen sollte vorerst der Fokus auf kosteneffektive vertikale Eingriffe und auf einfach vermeidbare Krankheiten liegen. Dies entlastet die Gesundheitssysteme ungemein. 

Haltbare Insektenschutznetze zur Malariaprävention sind hierfür ein gutes Beispiel: 2015 zeigten afrikanische Gebiete mit einer großen Verbreitung von Schutznetzen 60 Millionen weniger Krankenhausbesuche auf als jene ohne derartigen Schutz (170 Millionen zu 230 Millionen Besuche). Zudem hat sich in Gebieten mit Netzen die Anzahl der an Malaria Erkrankten, welche zu den Krankenhäusern gingen, von ca. 100 Millionen auf 50 Millionen halbiert.

Viele der Gründe warum Menschen nicht gerne an ausgewählte gemeinnützige Organisationen spenden und somit internationale Unterstützung leisten, sind tatsächlich nur Mythen. Fakten zeigen nämlich, welche schiere Auswahl an effektiven Handlungsmöglichkeiten gegeben ist. 

Aus folgenden Gründen ergibt es möglicherweise auch für Sie Sinn unser Projekt zu unterstützen, indem Sie weiterhin unsere Artikel lesen, sich unseren handverlesenen Sponsoren und Produkte widmen, Bücher aus der Leseliste über die gegebenen Links bestellen oder gar direkt Spenden: 

Der philanthropische Einsatz ist weitaus geringer als wird gemeinschaftlich denken und somit auch geringer als er sein sollte. 

Soziale Unterstützung in Form von Kapital und Arbeit hatte bereits immense globale Effekte auf die Gesundheit und Lebensqualität von Millionen von Menschen. Dennoch können wir noch viel mehr zusammen erreichen, wenn wir uns mehr und vor allem effektiver einsetzen. 

Korruption macht es äußerst wichtig an die besten und transparentesten Organisationen geben. Daher schreiben wir und die von uns unterstützen Projekte das Thema Transparenz groß und versuchen diese bestmöglich zu gewehrleisten. 

Wir können Menschen in Entwicklungsländern helfen sich selbst zu helfen (Hilfe zur Selbsthilfe) und sie somit weniger abhängig von unserem Eingreifen zu machen. 

Politische Aktivitäten zu unterstützen ist zwar unglaublich wichtig, doch es gibt keinen Grund zu glauben, dass dies in einem Gegensatz zum Spenden steht. Wir wählen unsere Projekte so, dass monetärer und politischer Einfluss synergetisch zusammen wirken. 

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© 2019 - 2020 Thorben Sauermann, Illustrationen von Huang Yixin

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